Da Dreistigkeit und Ruppigkeit bei Design-Wettbewerben und Dumpingportalen eher zu- als abnehmen, empfiehlt der BDG allen Kolleginnen und Kollegen dringend, vor der Teilnahme an Wettbewerben die Wettbewerbsbedingungen genau zu studieren. Die vier wichtigsten Aspekte für potentielle Teilnehmer fassen wir hier zusammen:

1. Keine Übernahme von Haftungsrisiken!

Es ist in Mode gekommen, per Teilnahmebedingungen die komplette Haftung für etwaige Verletzungen von Rechten Dritter durch die Nutzung des Entwurfs auf die Teilnehmer abzuwälzen. Mit Blick auf die enormen Kosten für auch nur einigermaßen sichere Überprüfungen durch Juristen – etwa im Vorfeld einer Markeneintragung – oder spätere Rechtsstreitigkeiten in diesem Feld wird klar, dass hier auf dem Rücken der Teilnehmer gespart werden soll. Diese Bauernschläue verrät aber auch, wes Geistes Kind der Auslober ist. Findet sich ein solcher Passus in den Teilnahmebedingungen, gibt es nur eine dringende Empfehlung: Finger weg, auf keinen Fall teilnehmen! Hier lauert eine existenzbedrohende wirtschaftliche Gefahr!

2. Keine Abtretung von Rechten allein schon durch die Teilnahme!

Bei einigen Wettbewerben sollen die Teilnehmer schon bei der Einreichung sämtliche übertragbaren Rechte an ihren Einreichungen uneingeschränkt abtreten. Bei seriösen Wettbewerben räumen die Teilnehmer dem Auslober bestenfalls ein, die Entwürfe für die Kommunikation oder Dokumentation des Wettbewerbs nutzen zu dürfen, alles Weitere ist Verhandlungssache und muss marktgerecht vergütet werden. Falls die Wettbewerbsbedingungen also schon durch die Einreichung eine Übertragung aller Rechte vorsehen, gilt die gleiche dringende Empfehlung wie oben: Finger weg, nicht teilnehmen!

3. Respektvoller und fairer Umgang mit den Teilnehmern und deren Leistungen

Zu einem respektvollen und fairen Umgang mit den Teilnehmern gehören noch weitere Selbstverständlichkeiten: 

  • Die Entwurfsleistungen von mindestens drei Teilnehmern werden prämiert und sind mit Preisgeldern versehen. 
  • Die spätere Nutzung der eingereichten Entwürfe wird selbstverständlich noch separat honoriert, denn das Preisgeld ist eine Prämie, die das Risiko abbildet, nicht zu gewinnen. Es ist kein Honorar. 
  • Das Recht auf Namensnennung der Teilnehmer ist nicht beschnitten. Verständlicherweise ist es Designern wichtig, ihre Entwürfe mit ihrem Namen in Verbindung bringen zu dürfen. 

Sind auch diese Grundregeln von den Wettbewerbsauslobern beachtet, sollte noch ein Blick auf die Juryzusammensetzung erfolgen. 

4. Die Jury ist bekannt und mindestens zur Hälfte mit Designern besetzt

Die Teilnehmer müssen schon zum Zeitpunkt der Ausschreibung wissen, wer ihre Arbeiten bewertet, das gebieten Transparenz und Fairness. So sitzen bei einem Fachwettbewerb natürlich Fachleute in der Jury. Auch wenn die Entscheider des Auslobers in der Regel Teil der Jury sein wollen, sollte diese bei Design-Wettbewerben mindestens zur Hälfte mit Designern besetzt sein. Auf jeden Fall sollte ein Designer den Vorsitz innehaben.

 

Der BDG unterstützt:
Wie faire Design-Wettbewerbe aussehen und veranstaltet werden, verrät unsere Broschüre »BDG-Richtlinien für Entwurfswettbewerbe«. Darüber hinaus bieten wir Beratung bei der Planung von Design-Wettbewerben an, denn wir wissen, »das geht auch fair!«.

Der BDG belohnt:
Wir werden faire Design-Wettbewerbe, die leider nicht gerade in der Überzahl sind, ab sofort mit dem »BDG-Fairward« auszeichnen und an dieser Stelle veröffentlichen. Bewerbungen und Vorschläge sind in unserer Bundesgeschäftsstelle herzlich willkommen.

 

Die kleine Entscheidungshilfe zur Bewertung der Fairness von Design-Wettbewerben gibt es hier als PDF [1 Seite | 170 KB] zum Download

 

4 Kommentare

Ich stimme diesen Thesen absolut zu. Man sollte noch eventuell "Dumpingportale" beim Namen nennen bzw. als nicht empfehlenswert auflisten. Die Idee der »BDG-Fairward« finde ich ausgezeichnet.



http://www.corporatedesign.info

Ach diese leidigen Dumping-Portale. Redet mit denen noch irgendein ernstzunehmender Designer?

Hab aktuell ganz andere Packerl: Auftraggeber fuhrwerken zunehmend in meinen AGB rum. Die sind übrigens vom BDG. Hauptnörgelpunkt: Nutzungsrechte. Hab grad einem "Nörgeli" abgesagt, weil ich keinen Bock darauf habe, dass an einem immerhin vom BDG abgesegneten Werk herumgekrittelt wird.

What comes next.



http://www.the-missinglink.de

@ vroni | »… Hauptnörgelpunkt: Nutzungsrechte. …«

Hmm, auch hier geht’s letzlich um Rechte, Fairness und Respekt. Die AGB (benutzt Du unsere aktuellen aus 10/2011?) regeln ja nur, was man nicht bei jedem Auftrag einzeln verhandeln möchte - aber selbstverständlich abweichend von den AGB kann.

Wenn ein »Nörgeli« aber gar nicht einsehen möchte, dass die Designerin überhaupt Rechte hat, sollte man ihn nach Hause schicken. Well done!

Du hast jetzt immerhin Kapazitäten für einen netten, freundlichen und respektvollen Auftraggeber, die Du vielleicht sonst nicht hättest. Mit Sicherheit hast Du aber jetzt weniger Ärger im Haus.

http://www.bdg-designer.de

 

Danke.

Ja, ich hab die aktuellen.

Im konkreten Fall beschwerte man sich darüber, dass in den AGB überhaupt Nutzungsrechte erwähnt seien. Aha. Ich solle diese Absätze doch bitte ganz herausnehmen und nochmals eine speziell für diesen Auftrag abgemagerte AGB-Variante schreiben.

Ich hab grad einen ziemlichen Hals. Ja freilich, ich schreibe als Missbrauchs-Schreibfräulein zig AGB-Varianten, nur um zu dokumentieren, dass man eigentlich gar keine Regelungen mehr braucht.

Respektvolle Auftraggeber: wünschenswert, werden nach meiner Beobachtung weniger seit einigen Jahren.  Das zieht sich durch den ganzen Arbeitsprozess und bleibt nicht allein bei den Nutzungsrechten stehen. Man muss immer stärker Kunden energisch aussortieren. Das kostet Kraft.

Diese Dumping-Portal-und Wettbewerbe-Aktion ist zwar recht nett, deckt aber nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten nicht im Mindesten das ab, was im sogenannten kreativen Arbeits-Alltag an rechtlichen und Procedere-Kröten über den Desktop kriecht.

Das ist jetzt kein Vorwurf an den BDG, sondern eine allgemeine Feststellung des zunehmend ruppig werden Geschäftsalltags, den ich nur konstatieren kann.  (Arbeite seit 12 Jahren freiberuflich.)



http://www.the-missinglink.de

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